Wochengruß von Berufsschulpastor Uwe Brand

Wochengruß für den Sonntag Jubilate

Mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschinen übernahmen einst die Weltherrschaft, versklavten die Menschheit und gaukeln ihr eine im Computer generierte Scheinwelt vor: die Matrix. "Matrix", das ist die moderne Geschichte von einem Erlöser (hier: Neo), den eine Schar Jünger herbeisehnt. Meine Schüler schauen im Religionsunterricht gespannt den actionreichen Film. Dann folgende Filmszene: Der Computer-Hacker Neo wird zu einer Jüngerin namens Trinity geführt. Sie spricht ihn auf die Matrix an: „Ich weiß, was du suchst. Du bist auf der Suche nach der Frage, was die Matrix ist; du bist auf der Suche nach einer Antwort“, und versichert Neo: „Die Antwort ist irgendwo da draußen, sie ist auf der Suche nach dir, und sie wird dich finden, wenn du es willst.“
Ich stoppe den Film hier und lese mit den Schülern aus der Apostelgeschichte die Geschichte vom Kämmerer der Kandake (Apg 8, 26-39): Der Schatzmeister der äthiopischen Königin, der nach Jerusalem reist um „anzubeten“, ist Jude, hat eine hohe Stellung am Hofe. Er musste dafür aber als Eunuch leben, sich für die Kastration entscheiden. Ein solches Opfer ist hoch und unvereinbar mit dem Glauben der Väter und des Gesetzes. Das Gesetz, das Wort Gottes war in ihm, wie in jedem frommen Juden, Maßstab seines Gewissens und seines Handelns. Immer wieder wird der Kämmerer daher an diesem Anspruch innerlich fast zerbrochen sein. Er war fromm, und hatte doch das Gesetz gebrochen. Auf der Suche nach einem von Gott befürworteten Leben reist er nach Jerusalem. Auf dem Rückweg liest er aus Jesaja, ohne zu verstehen. Da gesellt sich Philippus zu ihm und deutet die Stelle: »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf...« Er interpretiert dieses Gottesknechtslied christlich, indem er die frohe Botschaft von Jesus verkündigt: Da ist mit Jesus einer gekommen, der uns befreit hat vom Gesetz; der uns ins Licht bringt und uns lehrt, das Leben zu leben, so, wie Gott es sich für uns gedacht hat. - Wie tief mag die Sehnsucht im Herzen des Kämmerers nach einem solchen Anruf Gottes gewesen sein, den er sich von der Wallfahrt zum Tempel erhoffte! Ausgestoßen von Menschen im Namen des göttlichen Gesetzes, doch angenommen zu sein bei einem Gott, dessen Gnade größer ist, als alle Gesetze. Die Suche dieses Mannes nach einem gnädigen Gott hat hier ein Ende. Der Anruf des Gottes Jesu hat ihm die Augen geöffnet, ihn zum Leben befreit. Der Kämmerer lässt sich daraufhin taufen.
Und meine Schüler erkennen: Auf der Suche sein nach einem geglückten Leben, auf der Suche sein nach Antworten - das sind vor allem religiöse Motive. Jeder Mensch ist auf der Suche, so, wie sie es selber auch sind. Und wie der Kämmerer einst; und wie Neo, der wenige Szenen später die rote Kapsel schluckt, die ihn durch einen Fantasy-Taufakt in der Cyberwelt in sein neues Leben führt, auch ihm endlich die Augen öffnet.

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.