Wochengruß von Diakonin Petra Schimnick

Masken

Helau! Alaaf! Wir sind angekommen in der Hoch-Zeit des Karnevals! Traditionellerweise geht es in den Tagen vor Aschermittwoch noch einmal hoch her. Ausgelassen und fröhlich wird mit überschäumender Lebensfreude gefeiert. In den Karnevalshochburgen regiert in der „fünften Jahreszeit“ der Ausnahmezustand, dem man sich (dort) fast nicht entziehen kann. Auch in unserer Region, bei uns „im kühlen Norden“, gibt es Inseln solch karnevalistischen Treibens: Beim Dammer Karneval und am Ossensamstag heißt es wieder: Die Narren sind los! Alles steht im Zeichen des Karnevals. Ganz Damme, die ganze Osnabrücker Innenstadt ist für kurze Zeit ein großes Kostüm- und Maskenfest. Da kann man auf den Straßen jedem begegnen: Cowboy und Indianer, Teufel oder Mönch, Hexe oder Prinzessin… Und natürlich geht es auch noch viel kreativer. Aber was macht sie eigentlich aus, diese Begeisterung zur Kostümierung? Worin liegt der Reiz, sich zu verkleiden? Vielleicht hängt er damit zusammen, dass ich in eine andere Rolle schlüpfen kann. In einer anderen Rolle habe ich die Möglichkeit, mich anders zu verhalten. Ich trete anders auf, als ich es gewöhnlich tue. Ich betone Verhaltensweisen und Eigenschaften, die zu meiner gegenwärtigen Rolle passen, die ich aber in meinem Alltag nicht lebe. In meinem „normalen“ Leben spiele ich viele Rollen, die ich mit meiner Person und mit meiner Persönlichkeit mal mehr und mal weniger gut ausfülle: als Alleinstehende/r, als Ehefrau/Ehemann, als Eltern oder Kinder, als Lehrer oder Schüler, als Freund/Freundin, als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, als Kollege u.v.m. Damit verbunden ist auch immer die Frage nach meiner Person: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich aus? Fühle ich mich in den Rollen meines Lebens wohl und kann ich sie mit meiner ganzen Persönlichkeit ausfüllen? Ich kann mich aber auch hinter meiner Rolle verstecken. Manchmal brauche ich es, nicht „offen“ zu sein. Denn wenn ich mich öffne, mache ich mich angreifbar, bin verletzbar. Dann kann meine Rolle mich in Zeiten, in denen es mir vielleicht nicht so gut geht, schützen. Und dann ist es aber auch immer wieder wichtig, meine Rolle zu „überprüfen“, welche Erwartungen habe ich an sie und an mich? Welche Erwartungen haben andere? Denn immer dann, wenn ich meine Rolle anders verstehe als die Menschen meiner Umgebung, kommt es zu Konflikten. Dann muss ich mich damit auseinandersetzen. Und ich frage mich immer wieder: Muss ich mich, will ich mich „rollenkonform“ verhalten? Oder kann ich, will ich aus meiner Rolle auch mal heraus?
In dieser Woche endet die Karnevalszeit und mit dem Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Aus kirchlicher Sicht, eine Zeit der Besinnung…
Für die kommende Woche wünsche ich Ihnen Gottes reichen Segen!

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.