Wochengruß von Pastor Arndt-Bernhard Müller

SatAn

Kein Witz: In großen Buchstaben stand SatAn auf der Satellitenschüssel, die der Fernsehtechniker an meinem früheren Pfarrhaus installiert hatte. SatAn! Gott sei Dank zur Gartenseite hin - da, wo die Passanten es nicht sahen. Zur Straßenseite hin dagegen stand über der Eingangstür: „Friede sei mit euch!“

„Sie sind ja nicht abergläubisch“, hatte der Techniker zu mir gesagt. Und später, eine Religionslehrerin, meinte: „Mach Dir nichts draus. Auch Martin Luther gilt als ‚Mensch zwischen Gott und Teufel.‘“

Aber irgendwann hatte ich unvorsichtigerweise einen Kollegen in den Garten gebeten. „Die Schüssel müssen Sie abmontieren!“ erregte der sich. „Das geht doch nicht: SatAn am Pfarrhaus! Sie sind doch evangelischer Pastor und nicht Satanist!“
Ich versuchte ihn zu beruhigen: Zumindest hier im Garten sei in meinem Leben nun wirklich nicht die Hölle los. Gerade hier hätte ich Raum für Besinnung und Muße, läse hier manchmal sogar in der Bibel und versuchte nicht, auf Teufel komm raus irgendwelche Ziele zu erreichen. … Und außerdem könnte ich bei Bedarf die SatAn-Schüssel als Zielscheibe verwenden – wenn mir nach dem Werfen von Tintenfässchen zumute sei. … Aber wenn er wolle, könnten wir auch ins Amtszimmer gehen oder uns zwei Stühle unter das Bibelwort auf der Straßenseite stellen.

Nein, die Gartenseite fand er doch schöner als die Straßenseite. Aber natürlich war das Thema nun gesetzt. Es ging um die Macht des Bösen, um Indifferenz dem Leiden anderer gegenüber, um Verteufelungen Andersdenkender. Irgendwann kamen wir auf die Gedenkstätte Bergen-Belsen zu sprechen, die wir beide besucht hatten. Mein Besucher zitierte Goethe: „Den Bösen sind sie (die neuzeitlichen Menschen) los, die Bösen aber sind geblieben.“ Wir fragten uns, ob eine Gefahr des Redens vom Teufel als personaler Macht darin besteht, dass das Böse als dunkle Möglichkeit in jedem von uns verdrängt wird. Aber wir fragten uns auch, ob eine Chance darin liegt, wenn man das Böse sich selbst gegenüberstellt – als gehöre es nicht zum eigenen Wesen, als könne man damit ringen.
Viele Fragen. Aber weil er zu einer dringenden Krisensitzung musste – dringend, weil in seiner Gemeinde kirchliche Mitarbeiter einander das Leben zur Hölle machten -, brachen wir ab.

Als er ging, sah er noch einmal zur Schüssel hinauf. Zitierte Luther: „Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie sauer er sich stellt, tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht‘: Ein Wörtlein kann ihn fällen.“ Und dann sagte er noch: „Meinetwegen lassen Sie das Ding da hängen. Wichtiger als die Schüssel da oben ist die Schüssel, in der Sie getauft worden sind.“

Und übrigens – damit Sie beruhigt sind: Die alte Satellitenschüssel habe ich am früheren Pfarrhaus gelassen. Am Pfarrhaus danach hing eine andere. „Hirschmann“ stand darauf. Das klang neutral. Obwohl kleine Hirsche zwei Hörner haben. … Und jetzt bin ich auf Kabel umgestiegen.

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.