Wochengruß von Pastor Arne Hüttmann

Jesus sagt: Wenn ihr steht und betet, dann vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Übertretungen vergebe. (Markus 11, 25)

Kennen Sie das auch? Dieser Satz, den man um die Ohren geschleudert bekommt: „Wahre Christen streiten nicht…“ Und dann sieht man die Diskussionen in den Kirchenvorständen oder auch sonstwo in den Gemeinden, erlebt, wie Christen anderen Christen zuweilen das Leben schwer machen. „Wahre Christen streiten nicht…“ Wer daran glaubt, ist noch nicht lange in unserem Verein unterwegs.
Ich habe uns Christen seit jeher als recht streitlustiges Volk kennengelernt. Vielleicht ist das ja auch durchaus eine Form der Nachfolge Jesu. Der hat schließlich auch immer mal wieder Streit gesucht. Denken Sie nur, wie er die Pharisäer zu provozieren versucht hat. Aber der Streit hatte nie das letzte Wort. Jesus wollte Menschen anstoßen, er wollte sie nicht umstoßen.
„Vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt…“
Das ist einfacher als gesagt. Dass wir uns über andere ärgern, das ist doch nur menschlich. Und wenn dann jemand anders schon wieder so viele Fehler auf der Arbeit macht oder vielleicht auch noch hinter meinem Rücken über mich lästert, dann muss doch wohl selbst Jesus einsehen, dass meine Wut auf den anderen mehr als berechtigt ist.
Wer so tut, als ob er nie auf andere Menschen sauer ist, lügt sich selbst in die Tasche. Das Leben zeigt uns doch ganz deutlich, dass man mit manchen Menschen gut klar kommt, - da stimmt dann einfach die Chemie, und andere können wir schon nach nur drei Sekunden in die ungeliebte Schublade stecken.
Jesus versucht allen Menschen mit Liebe zu begegnen. Während das beim Zöllner noch ganz gut funktioniert (sehr zum Unwillen seiner Jünger), kostet Jesus dieser Schritt bei der Samaritanerin dann doch schon ein wenig Überwindung.
Einen Groll gegen andere Menschen behält Jesus aber nie.
Selbst als er gefoltert, gedemütigt und zum Sterben ans Kreuz genagelt wird, betet er:
„Vater, vergib‘ ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Wahre Christen streiten also nicht? Doch, das tun wir. Das ist menschlich. Aber wir können es lernen, diese Streitigkeiten auszutragen und dann auch beizulegen.
Das wäre Jesus wichtig. Das wäre Gott wichtig. Vielleicht versuchen wir es in den kommenden Tagen einfach mal.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Weg durch die kommende Woche.

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.