Wochengruß von Pastor Bodo Boehnke

„Ich bin, der ich bin“

...antwortet Gott auf die Frage des Mose nach seinem (Gottes) Namen. Gott sagt nicht: ich bin so oder so, sondern schlichtweg: ich bin, der ich bin. Das hat mich immer irritiert, irgendwie nichtssagend, so wie: es ist ja, wie es ist.
Ich bin, der ich bin – inzwischen klingt dieser Gottesname für mich wie ein Mantra. Psychologen ermuntern Menschen zur Aufbesserung ihres Selbstbewusstseins dazu, sich vor den Spiegel zu stellen und sich allmorgendlich als eine Art Selbstsuggestion positive Botschaften zuzusprechen: Ich kann das, ich bin gut, ich bin liebenswert… etc. Das sind sicher wichtige Botschaften, aber da bleibt auch ein Rest Unsicherheit: kann ich das wirklich? Bin ich wirklich gut? Bin ich wirklich liebenswert?
„Ich bin, der ich bin“ klingt anders. Es enthält keine Wertung, keine Autosuggestion von Wünschen, sondern nur diese Feststellung: ich bin, der ich bin. Ich bin heute ein anderer, als ich gestern war. Und morgen werde ich ein anderer sein, als ich heute bin. Ich bin nicht so, wie andere mich gerne hätten, ich bin auch nicht so, wie ich vielleicht sein möchte. Ich bin nicht gut und ich bin nicht schlecht, ich bin mal traurig, mal fröhlich, mal ängstlich und mal mutig, mal egoistisch, mal sehr auf andere bedacht, mal bei mir, mal neben der Spur. Ich bin, der ich bin und zwar nicht, um immer so zu bleiben, sondern um mich verändern zu können. Zu Geburtstagen hört man ja oft: bleib so, wie du bist. Dabei scheinen diese Gratulanten zu vergessen, dass niemand so bleibt, wie er ist und um den Kern seiner selbst zu bewahren, muss man sich im Laufe des Lebens schon sehr verändern. Ein Lutherzitat fällt mir dazu ein, er sagte einmal: „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“.
Als Gott den Menschen schuf, machte er ihn nach dem Bilde Gottes heißt es bei 1. Mose 5,1. Jeder Mensch trägt somit etwas Göttliches in sich, auch wenn das vielleicht nicht immer so deutlich erkennbar und spürbar ist, wie wir uns das gerne von uns und von anderen wünschen würden. Jeder Mensch ist so, wie er ist und morgen ist er schon ein anderer. Verändern kann man sich allerdings nur, wenn man zu sich steht.
Versuchen Sie es mal mit diesem Gottesnamen. Sagen Sie sich diese Worte nicht nur morgens vor dem Spiegel vor, sondern in allen möglichen Situationen: wenn eine schwere Aufgabe vor Ihnen liegt, wenn Selbstzweifel kommen, wenn Sie das Gefühl haben, nicht ganz bei sich zu sein – dann sagen oder denken Sie sich einfach: ich bin, der ich bin. Damit verpflichten Sie sich zu nichts, sondern erkennen sich so an, wie Sie sind. Nicht gut, nicht schlecht, nicht hübsch, nicht hässlich, nicht schlau oder dumm, nicht zu groß oder zu klein, nicht zu dünn oder zu dick – sondern Sie sind einfach SIE selbst - ein von Gott geliebter Mensch, nicht mehr und nicht weniger. Das ist der Ausgangspunkt, von dem Gott durch Mose sein Volk Israel aus der Sklaverei in die Freiheit geführt hat, von dem alle Veränderung ausgegangen ist und ausgehen kann. Wer sich verändern möchte, muss erst mal lernen, zu sich zu stehen. Und wer für andere sorgen möchte, der muss erst mal gut für sich selber sorgen können.
Es beginnt die Zeit der Konfirmationen. Zeigen Sie ihrem Patenkind, Enkel, Nichte oder Neffen, Sohn oder Tochter, dass sie zu sich selber stehen können und sollen. So ermöglichen Sie Entwicklung und Veränderung bei den Jugendlichen.

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.