Wochengruß von Pastor Klaus Haasis

Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. (Psalm 34, 16)

Meine Schwiegermutter weiß, dass sie nicht mehr allzu viel Lebenszeit hat. Und doch ist sie sehr ruhig und gelassen. Es ist, als ob Gott selber ihr Gottvertrauen nunmehr in einem ganz besonderen Maße stärkt. Ich erlebe nicht zum ersten Male, dass ein Mensch, der um seinen nahen Tod weiß, gerade in der letzten Phase seines Lebens von Gott gehalten wird. Den Tod vor Augen wäre doch eher Verzweiflung, Wut oder Traurigkeit zu erwarten. Und mancher, der im Sterben liegt, empfindet ja auch so. Aber auch da erleben es Angehörige immer wieder, dass am Ende dann doch dieser Mensch im Frieden gehen durfte.
Kann man diese „Kunst des Sterbens“ einüben? Nun, wer nie über den Tod sprechen will, wer einen weiten Bogen um Friedhöfe oder Krankenhäuser macht, weil die irgendwie an den Tod erinnern könnten, der hat es bestimmt schwer, wenn er dann doch eines Tages todsicher mit dem Tod konfrontiert wird. Und doch glaube ich, dass man dieses Gottvertrauen nicht selber machen kann. Es muss einem geschenkt werden! Aber offensichtlich schenkt Gott tatsächlich diese Zuversicht. Alten und zeitgenössischen Märtyrer, wie z. B. Dietrich Bonhoeffer, wurde dieser Glaube geschenkt. Aber ebenso haben es viele, der Allgemeinheit eher unbekannte Christenmenschen erlebt: „Gott sieht uns! Gott hält uns!“ Schon im Alten Testament wird von diesem Geschenk Gottes berichtet. So heißt es im Psalm dieses Sonntags: „Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.“ (Psalm 34, 16) Die lateinischen Anfangsworte „oculi Domini“ ( Zu Deutsch: „die Augen des HERRN“) haben übrigens diesem Sonntag den Namen gegeben: Okuli! Weil Gott uns ansieht, darum können wir glauben, können getröstet und getrost leben und sogar sterben. Weil Gott uns aufrichtet, wird es – Gott sei Dank – immer wieder wahr, was Martin Luther einmal gesagt hat: „ Wo zwanzig Teufel sind, da sin auch hundert Engel; wenn das nicht so wäre, wären wir schon längst zu Grunde gegangen.“

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.