Wochengruß von Pastor Michael Grimmsmann

Drinnen braucht draußen

Geistesblitz
Draußen prasselte mit einem Mal der Regen. Der Horizont verwischte im dunklen Grau. Ab und an leuchteten die Wolken von den Blitzen. Der Erfurter Student war auf dem Rückweg von seinen Eltern. Was er da wohl erlebt hatte? Hatte sein Vater ihm wieder in den Ohren gelegen, das Jurastudium aufzunehmen? Hatte er gar von Heiraten gesprochen?
Das Gewitter holte Martin Luther ein. Die Blitze leuchteten, der Donner krachte. Ein Blitz kam dem jungen Mann so nahe, dass er um sein Leben fürchtete:
„Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!“
Und Martinus Luther wurde Mönch. Die Macht des Schöpfers forderte das Geschöpf heraus.
Später erzählte er von diesem Gelübde. Da habe er sich entschlossen, ins Kloster einzutreten. Ein äußerer Anlass, der ihn zum Augustiner werden ließ. Wurde Martinus nur Mönch, weil er in ein Gewitter geraten ist?

„Die heiraten ja nur kirchlich, weil sie es schön finden.“ „Der ist ja nur wieder in die Kirche eingetreten, weil er Pate werden wollte.“ „Konfirmation? Das machen die doch nur wegen des Geldes oder nur weil die Eltern das wollen.“
„Der besucht seinen Onkel nur, weil er was erben will.“

Nach außen hui, aber innen pfui? Manchmal braucht es einen äußeren Anlass, um einen Lebensweg einzuschlagen. Nicht nur den äußeren Anlass, aber auch den. Es brauchte den hellen Blitz, der Martin Luther Mönch werden ließ. Gewiss hatte er aber auch innere Motive: Die Abgrenzung vom Elternhaus, das sichere Klosterleben, der Ausblick auf das interessantere Studium. Am Ende blieb ihm und uns nicht nur der äußere Blitz im Gedächtnis. Sondern auch das, was aus dem Gelübde bei Stotternheim wurde.

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.