Wochengruß von Pastorin Andrea Wolters

Der Mensch denkt, Gott lenkt!

Der Mensch denkt, Gott lenkt!
Die Erzählungen über Joseph im Alten Testament gehören zu meinen liebsten biblischen Geschichten: Joseph war der Liebling seines Vaters, daran gab es keinen Zweifel! Seine Brüder wünschten sich, er wäre tot. Sie haben ihn aber dann doch nicht umgebracht, sondern als Sklaven nach Ägypten verkauft. Dort wurde Joseph der wichtigste Mann am Hofe des Pharao. Er sorgte dafür, dass die Kornspeicher des Pharao voll waren.
Es kam eine schlimme Hungersnot, die die ganze Gegend betraf, Israel und Ägypten. Die Menschen versuchten verzweifelt, zu überleben. So auch Josephs Brüder in Israel. Sie kamen und wollten ausgerechnet in Ägypten Getreide kaufen. Joseph erkannte sie, gab sich aber selbst nicht zu erkennen. Er verkaufte ihnen Getreide und legte einen Silberbecher dazu, ohne, dass sie das merkten. An der Grenze ließ er sie dann als Diebe verhaften. Nur gegen seinen Bruder Benjamin als Pfand wollte er ihnen noch einmal das lebensnotwendige Korn verkaufen. Das wollten die Brüder ihrem Vater nicht antun und sie bettelten und flehten so lange, bis es Joseph nicht mehr aushalten konnte und er sich ihnen zu erkennen gab.
Daraufhin kamen nun alle nach Ägypten, auch der alte Vater. Die Hungersnot aber wütete weiter, auch in Ägypten gab es nichts mehr zu essen. Allein der Pharao hatte noch Getreide, das er verkaufen konnte. Die hungrigen Menschen verkauften alles, was sie hatten und zuletzt sich selbst. – Josephs Familie lebte am Hofe des Pharao und hatte nichts auszustehen.
Dann kam der Tag, an dem der alte Vater starb. Die Brüder waren traurig, aber vor allem hatten sie große Angst. Sie hatten Angst davor, dass Joseph es ihnen nun endlich heimzahlen würde, dass er sie von Hofe des Pharao ausschließen würde und dass sie auch wie alle anderen verhungern müssten. So logen sie ihn an: „ Joseph, dein Vater hat befohlen, dass du uns vergibst. Das war sein letzter Wille. Joseph, du musst deinem Vater gehorchen. Joseph, du kannst uns hier nicht rauswerfen. Joseph, du musst weiter dafür sorgen, dass wir zu essen haben in dieser schrecklichen Zeit. Joseph, wir sind auf dich angewiesen. Joseph, dein Vater wollte es so.“
Und Joseph war überraschenderweise ganz freundlich zu ihnen: „Was ihr getan habt war böse! Ihr hattet mein Verderben auf dem Plan. Aber Gott hat alles gut gefügt. Ihr habt mich nach Ägypten verkauft- und jetzt sorgt eure böse Tat dafür, dass wir alle überleben. Ihr braucht keine Angst vor mir zu haben. Ich werde den Willen Gottes erfüllen. Gott wollte Gutes für mich und für euch.“ Und so kam es, dass sie alle in Ägypten überleben konnten, bis sie dann schließlich wieder ins gelobte Land zurückkehrten, aber das ist eine andere Geschichte.

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Zum sechsten Mal schreiben Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone des evangelisch lutherischen Kirchenkreises Bramsche eine wöchentliche Kurzandacht unter der Rubrik des "Wochengrußes". Nachdem die Wochensprüche, Lieder und Lutherzitate ausgelegt worden sind, werden in diesem Jahr biblische Geschichten in der gebotenen Kürze von 2000 Zeichen erzählt. Dabei geht es nicht allein darum die Bibel nachzuerzählen, sondern auch das eine oder andere in einem neuen Genre zu präsentieren. Wir freuen uns, wenn wir auch in diesem Jahr mit dem Wochengruß viele erreichen, die sich gern und freudig auf dieser Seite unseres Internetauftritts bewegen. Seien Sie uns herzlich willkommen! Wenn Sie die AutorInnen selbst kennenlernen wollen, finden Sie in den Gottesdiensten im Kirchenkreis sicher die eine oder die andere, die hier geschrieben hat.