Wochengruß von Pastorin Anke Kusche

Wochengruß zum Ostersonntag

Noch vor Sonnenaufgang machen sie sich auf den Weg: Maria von Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus und Salome. Sie haben eine furchtbare Woche hinter sich. Ohnmächtig mussten sie mit ansehen, wie das Schicksal seinen Lauf nahm und Jesus wie ein Verbrecher den Kreuzestod starb. Alle Hoffnungen mit einem Schlag zerplatzt! Die Frauen nehmen ihre letzte Kraft zusammen, kaufen Öl und machen sich auf den Weg hin zu Jesu Grabstätte, um ihn zu salben, wie es ihre religiösen Riten vorsehen.
Doch sie finden Jesus nicht. Stattdessen verkündigt eine Gestalt im weißen Gewand dessen Auferstehung und erteilt ihnen den Auftrag, es weiterzusagen.
Die Frauen, vor Entsetzen am ganzen Körper zitternd, verlassen das Grab fluchtartig und erzählen zunächst aus Angst niemandem etwas.
Das Markusevangelium ist die älteste Ostererzählung und meine liebste. Sie endet mit Zittern und Entsetzen, mit Angst und Schweigen. Die elf Verse danach sind später dazugeschrieben worden, weil es schwer auszuhalten ist, dass am Ende einer so großen und verheißungsvollen Lebensbeschreibung nichts weiter übrig bleibt als Angst und Schweigen.
Jedoch macht sie gerade das so menschlich und realistisch.
Davon können viele erzählen, die einen Menschen bis zuletzt begleitet haben, dass da erst einmal ein großes Schweigen ist; Fassungslosigkeit und Stillstand. Als ob auch das eigene Leben für eine zeitlang das Atmen eingestellt hätte. Und dann braucht es Zeit. Keine vorschnellen Tröstungen -, und seien sie noch so gut gemeint. Abschied braucht Zeit. Trauer braucht Raum.
Und doch: Irgendwann müssen die drei Frauen ihr Schweigen gebrochen haben. Sonst wüssten wir heute nichts von Ostern. Irgendwann werden sie ins Leben zurückgefunden und mit den anderen ihre Erfahrungen geteilt haben.
Diese erste Ostererzählung sagt mir: Ostern ist nicht laut und plötzlich ... Ostern kommt leise ... wie die ersten Sonnenstrahlen, wie das erste Grün nach langem Winter, aber dann ist es nicht mehr aufzuhalten, dass sich am Ende das Leben wieder Bahn bricht.

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.