Wochengruß von Pastorin Christina Richter

Andacht zu Psalm 84, Lätare

Als alttestamentlicher Text für den Sonntag „Lätare“, „Freut euch“ ist der 84. Psalm vorgesehen. Mit ihm sind bei mir besondere Erinnerungen verknüpft.
An einem Sonntag sprach mich nach dem Gottesdienst eine ganz junge Frau an. Sie erzählte, sie bekomme in einigen Wochen ihr erstes Kind und wolle sich schon mal die Kirche ansehn, in der es getauft werden soll. Ich freute mich über ihr Interesse und zeigte ihr den Altar, das Taufbecken und das Netz mit den Fischen, die jeder Täufling später bekommt. Sie ging zufrieden nach Hause. Einige Wochen später stand sie mit dem Kinderwagen vor der Tür und meldete die Taufe ihrer Tochter an. Beim Taufgespräch erfuhr ich, dass die Oma schon einen Taufspruch ausgesucht hatte, und zwar Verse aus dem 84. Psalm: „Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre.“ Ein schöner Text. Ich erklärte ihr, dass der Tempel oder die Kirche das Haus Gottes ist, in dem man Gott nah sein kann und zu ihm betet, allein oder mit anderen zusammen. Man kann im Gottesdienst Ruhe finden und Gott und sich selbst näher kommen. Die bunten Fenster unserer Kirche leuchten in verschiedenen Farben und laden zu Betrachtung und sich Versenken ein. Es ist auch schön, allein in der Kirche zu sein, den Alltag draußen zu lassen und auf die Stille zu hören. Wenn die Kirchenmauern sprechen könnten, würden sie zahllose Geschichten erzählen von fröhlichen und traurigen Erlebnissen, von Hoffnung und Verzweiflung, von Sorgen und Ängsten, aber auch von dem Glück, Gott und seine Kraft in sich zu spüren oder Zuspruch zu bekommen, etwa in den Lesungen, in der Predigt und im Segen.
Zu einer regelmäßigen Gottesdienstbesucherin ist die junge Mutter zwar (noch) nicht geworden, aber bei Festen und Familiengottesdiensten kommt sie mit ihrer Kleinen und freut sich am Haus Gottes und der Gemeinschaft mit anderen. So wirkt der von der Großmutter ausgesuchte Taufspruch weiter nach.

Zurück


Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.